Meine Philosophie

Ich arbeite mit gebrauchten Teefiltern. Der Aspekt ihres vorherigen Gebrauchs ist mir dabei sehr wichtig, denn erst durch das Aufbrühen und Genießen des Tees verliert der Teebeutel seinen Charakter der industriellen Herstellung und des Massenartikels. Durch seinen bestimmungsgemäßen Gebrauch und die Spuren, die dieser hinterlässt, wird der Teebeutel zum Unikat, das dann durch die Prozesse meiner Arbeit und die dabei entstehenden neuen Strukturen schließlich zum Teil eines neuen Werkes wird.

Die Idee dazu entstand beim Ritual des Teetrinkens: Eine Tasse Tee bedeutet für mich, Ruhe zu finden. Der Kopf wird frei, Gedanken und Empfindungen ordnen sich, erhalten Struktur. Beim Teetrinken kann ich mich aufwärmen und vom Alltag lösen, meine Kreativität kann sich entfalten. Als ich einen Teebeutel nach drei Tagen getrocknet in der Tasse fand, entdeckte ich wunderbare Farben, Formen und Strukturen.

Ich begann daraufhin, Teebeutel zu sammeln, zu trocknen und mit ihnen zu arbeiten. Es handelte sich zunächst um reine Collagen, es erfolgte keinerlei Farbauftrag oder Zeichnung. Später bearbeitete ich die organischen Tee-Strukturen mit Graphit und Acryl.


Strukturen finden sich, setzen sich fort, überlagern sich, werden weiter entwickelt und neu erfunden. Es entstehen Bereiche der Verdichtung, der Transparenz und des Lichts. Mit den Veränderungsprozessen des Materials, und somit auch des Bildes, wird ein Wechselspiel von Entstehen und Vergehen sichtbar. Vergänglichkeit und Zeit spielen auch in meiner Formensprache eine große Rolle. Kreise, die aus der Form der Teefilter selbst entstehen, tauchen immer wieder in den Arbeiten auf. Die Teefilter werden übermalt, wieder von der Leinwand weggerissen oder mit dem Skalpell ausgeschnitten. Durchbrüche, Transparenz und spannungsvolle Kontraste entstehen.

Viele Menschen sammeln und trocknen Teebeutel für mich. Alles was sich an Ereignissen, Gesprächen und Emotionen für sie mit diesem Akt des Teetrinkens und dadurch mit dem Tee selbst verbindet, wird in den Werken mit verarbeitet: so wird ästhetisch und real an einem Netzwerk der Kommunikation gebaut. Die Teebeutel sind und bleiben auch in verarbeiteter Form ein starkes Instrument der Kommunikation.