Prof. Dr. Helge Bathelt zur Eröffnung TRIALOG Stadtgalerie Herrenberg im April 2008 (Auszug)

Elena Schmidt hat genauso wie die Karlsruher Künstlerin Renate Schweizer, die Schweizer New Yorkerin Eveline Feldmann, die Schrobenhausenerin Beatrix Eitel oder der Maler Cornelius Völker den Teebeutel entdeckt, und sie alle waren nicht die ersten mit diesem Material. Niemand aber nutzt es so lustvoll obsessiv wie Elena Schmidt, so dass wir ihre Kunst nur noch als 'Teeologie' bezeichnen können, was eine fast schon burleske Nähe zu den beiden anderen Künstlerinnen herstellt. Elena Schmidt ist in einem Zustand permanenten Entdeckens. Was passiert bei unterschiedlichen Teesorten, was passiert bei Reihung, was passiert, wenn ich eine Bewegung 'belege', wie bringen mich die Teebeutelfäden zurück zur Figuration und insgesamt: welche Überraschungen, welche Entdeckungsmöglichkeiten entstehen im Dialog mit dem unscheinbaren, kleinen, verbrauchten Teebeutel.

Ute Lorek, Kunsthistorikerin, Auszug Eröffnungsrede TRIALOG Lichtleicht in Tübingen im März 2009

Elena Schmidt: Jahrgang 1964, lebt und arbeitet in Hildrizhausen.

Elena Schmidt verarbeitet schon verwendete Teebeutel in ihren Bildern. Daß dieses Abfallprodukt einen eigenen ästhetischen Reiz hat, entdeckte die Künstlerin zufällig in ihrem Atelier, als sie nach Tagen einen vergessenen und getrockneten Teebeutel vorfand. Der getrocknete Tee hinterläßt auf dem dünnen Filterpapier einzigartige Muster und Strukturen, jede Sorte ihre eigene Farbe. So wird klar, daß jeder Teefilter auch ein Unikat ist, keine zwei Teebeutel weisen die gleiche Struktur auf. Um sie für das Bild zu verarbeiten, entfernt Elena Schmidt den Tee aus den Filtern, bügelt sie und bringt sie in Collagetechnik auf den Malgrund auf. Auch hier werden Zeitlichkeit und Vergänglichkeit ganz wichtige ästhetische Kriterien: Licht und Alter der Bilder lassen die natürlichen Pigmente des Tees verblassen, verändern den optischen Eindruck des Bildes im Laufe der Zeit und schließen so den Prozeß des Alterns im Bild selbst mit ein. Zum zweiten möchte ich den Aspekt der Kommunikation hier nicht unerwähnt lassen: Elena Schmidt hat mir erzählt, daß sie mittlerweile von ganz vielen Menschen getrocknete Teebeutel zugeschickt bekommt und es ihr ungeheuer wichtig ist, daß der Tee auch vorher getrunken wurde. Alles, was sich an Ereignissen, Gesprächen und auch Emotionen mit diesem Akt des Teetrinkens und dadurch mit dem Tee selbst verbindet, verarbeitet die Künstlerin in ihren Werken, baut so ästhetisch und ganz real an einem Netzwerk der Kommunikation.